Montag, 9. Mai 2016

Die letzte Bitte

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 Augen zu und durch, oder?

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Das macht gierigen, egoistischen und auf fragwürdigen Genuss bedachten Menschen ja nichts aus, wenn eine Kuh-Mama und ihr Kind um Gnade betteln. Hart und unbarmherzig geht es um Gewinn oder „Genuss“. Es ist traurige Realität was da tagtäglich, stündlich, gerade auch in diesem Moment passiert. Und so was möchte selbst ins Paradies, sich den Himmel verdienen?? Welche Schizophrenie und Schwachsinnigkeit!

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Diese Geschichte ist tatsächlich geschehen. Der einzige Unterschied zwischen Fiktion und Realität ist die Sichtweise, aus der sie erzählt wird.


Die letzte Bitte


Draußen ist es noch dunkel, als mich der Bauer herausführt. Es ist nicht das erste Mal, dass einige von uns um diese Zeit geholt werden.
Im Stall entsteht eine große Unruhe, denn diejenigen, die fortkamen, kehrten niemals zurück.
Der Bauer treibt mich mit einem Stock an, weil ich eine kleine Rampe hinauf soll. Ich tue es widerwillig. Ich möchte nicht fort und mein Leib ist schwer mit meinem Kleinen unter dem Herzen. Drei andere Kühe folgen mir in diesen Kasten. Wir werden mit Stricken festgebunden und dann höre ich einen lauten Schlag. Ich erschrecke. Der Lichtschein aus dem Stall ist verschwunden.

Ein letztes Mal dringen die Stimme des Bauern und die Rufe meiner Schwestern zu mir. Es sind Rufe der Trauer. Auch ich werde sie vermissen. Plötzlich höre ich merkwürdige Geräusche und der Boden beginnt zu wackeln. Mein Kleines bewegt sich. Es ist erschrocken, ich kann es fühlen. Wenn der Mond einmal leer und wieder voll geworden ist, wird es in diese Welt kommen.

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Wir haben Angst. Wir prallen aneinander, weil dieser Kasten ständig hin- und herschaukelt. Es gibt ein paar kleine Öffnungen, und als es zu dämmern beginnt, blicke ich hinaus. Ich sehe Felder und Wiesen, spüre den Luftzug an meinen Nüstern und höre den Gesang der Vögel. Doch bald verändert sich alles und ich sehe nur noch Häuser.
Wohin werden wir gebracht?
Kommen wir in einen anderen Stall? Ich hoffe es, denn ich bin müde und möchte mich hinlegen. Ich mache mir Sorgen um mein Kleines. Die Aufregung tut ihm nicht gut.
Vier Mal war ich schon Mutter. Doch jedes Mal wurde mir mein Kind nach ein paar Stunden entrissen. Und immer war ich wochenlang verzweifelt. Ich hoffe, dass es dieses eine Mal anders sein wird und mein Kleines bei mir bleibt.

 

Plötzlich bewegt sich der Kasten nicht mehr. Draußen ist es bereits heller Tag und ich blicke durch die Öffnung, um zu sehen, wo wir sind. Im selben Augenblick rieche und fühle ich etwas. Es ist etwas Furchtbares. Ein alles durchdringendes Grauen. Und Blut. Es ist von meinesgleichen. In mir breitet sich Angst aus. Was hat das zu bedeuten? Es dauert nicht lange und dann öffnet sich unser Kasten. Zwei Männer kommen hinein und binden uns los. Immer wieder sausen ihre Stöcke auf uns hinab. Ich wehre mich nicht, denn ich hoffe, dass ich mich bald hinlegen kann. Ich folge den anderen und den Schlägen der Männer und auf einmal sehe ich viele von uns. Ich gehe durch geöffnete Eisenstangen und höre ein klackendes Geräusch.

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Plötzlich weiß ich es: Ich komme nicht in einen anderen Stall, in dem ich mein Kleines zur Welt bringen kann.
Ich werde keine Felder mehr sehen oder das kühle Gras fühlen.
Ich werde nie wieder Sonnenstrahlen auf meinem Fell spüren und den Mond nicht mehr anblicken, wenn er dick und rund am Himmel hängt.
Und es wird keinen Sommer mehr geben – für mich. Diese Zeit im Jahr, in der ich nicht angebunden im Stall stand.
Ich stoße einen lauten Ruf aus.
Wenn ich sterbe, wird auch mein Kleines sterben.
Das darf nicht sein.
Es hat diese Welt noch nicht gesehen. All die Wunder des Lebens. Den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang. Die unzähligen Sterne am Himmel. Das Rauschen des Regens und das dumpfe Grollen der Gewitter, die ihm vorausgehen. Das Gezwitscher der Vögel und das Plätschern der Flüsse. Die bunten Bäume im Herbst und die Eiszapfen an der Stalltüre, wenn der Winter ins Land gezogen ist.
Es muss leben.
Verzweifelt bleibe ich stehen.
Ich bin die Letzte in einer langen Reihe.
Wohin werden wir geführt? Ich schaue mich um, aber ich sehe nur die anderen vor mir und neben mir, durch eine Eisenstange getrennt.
Ich blicke in die Augen eines Bruders.
Er spürt das Gleiche.
Das Grauen.
Die Männer sind grob. Immer wieder gehen sie durch die Reihen und treiben die anderen an. Aber niemand von uns will weitergehen in diese furchterfüllte Ungewissheit. Trotzdem bewegen sich alle zögerlich vorwärts. Ich höre klagende Rufe. Ein Mann hält etwas in den Händen – es ist kein Stock*. Aber wenn er jemanden von uns damit berührt, geht es ein Stück voran.

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Mein Kleines wird immer unruhiger. Es bewegt sich ständig. Ich versuche es zu besänftigen, während ich verzweifelt nach einem Ausweg suche. Vielleicht gibt es eine andere Öffnung, an den Eisenstangen entlang. Ich gehe langsam vorwärts, aber meine Hoffnung versiegt.
Es gibt keinen Ausweg.
Das kann nicht sein.
Mein Kleines muss leben.
Ich bleibe stehen und dann lege ich mich hin.
Ich bin so müde.
Aber ich beginne zu rufen.
Die Männer werden mich verstehen.
Sie werden meinen Leib sehen und wissen, dass dort neues Leben wächst.
Sie werden uns nichts tun.
Jetzt kommt einer der Männer zu mir. Er hält etwas in der Hand, das wie ein Stock* aussieht.
Ich blicke ihn an, aber er scheint durch mich hindurchzusehen.
Bitte, lass uns leben.

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Der Mann berührt mich mit diesem Gegenstand in seiner Hand und plötzlich fährt ein Schmerz durch meinen Körper. Ich brülle auf und mein Kleines strampelt verzweifelt.
Es kommt noch ein Mann mit einem Stock. Er schlägt mir auf den Kopf.
Bitte, lass uns leben.
Ich stehe nicht auf.
Ich will, dass mein Kleines leben kann. Es darf nicht sterben.
Die Männer müssen das doch verstehen?
Wieder berührt mich etwas und erneut spüre ich diesen Schmerz in jeder Faser meines Körpers.
Ich rufe immer mehr, so laut ich kann.
Bitte, lasst uns leben.

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Jetzt spüre ich auch Schmerzen in meinem Leib, weil das Kleine so um sich schlägt. Es hat große Angst.
Ich will es beruhigen, aber ich kann nicht.
Ich fürchte mich doch genauso.
Wieder versuche ich einen der Männer anzublicken und stoße einen verzweifelten Ruf aus.
Er schlägt mit seinem Stock auf mich ein.
Jetzt kommt ein dritter Mann.
Er sieht mich an.
Er schlägt oder berührt mich nicht.
Ich sehe, wie sein Blick über meinen Körper gleitet.
Er hat es gesehen. Das Leben in mir.
Bitte, lass uns leben.

 

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An seinem Blick erkenne ich, dass er meine Bitte nicht erfüllen wird.
Er geht fort.
Die Männer haben aufgehört, mir wehzutun.
Ein Luftzug streift mein Fell und ich hebe den Kopf.
Ich sehe ein Stück Himmel mit ein paar tanzenden Wolken.
Dann blicke ich den Mann an, der zurückgekehrt ist und einen großen Gegenstand in seinen Händen hält.
Ich weiß, dass es keine Hoffnung mehr gibt.
Ich habe es in seinen Augen gesehen.
Ich senke den Kopf und denke an mein Kleines.
Ich möchte es beschützen.
Noch einmal blicke ich in die Augen des Mannes.
Nimm mein Leben, aber bitte, lass mein Kleines leben.


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Dies ist eine wahre Geschichte, die sich tagtäglich überall auf der Welt in dieser oder einer ähnlichen Form wiederholt. Es sind fühlende Individuen, werdende Mütter, die dieses Martyrium erleiden müssen, genauso wie das ungeborene Leben in ihrem Leib.

Allein in Deutschland sterben jährlich ca.180.000 ungeborene Kälber. Sie müssen den Tod ihrer Mutter miterleben und ersticken anschließend qualvoll. Bis zu einer halben Stunde kann dieses Ersticken dauern. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Die meisten Bauern lassen ihre Kühe nicht untersuchen, bevor sie zur Schlachtung geschickt werden. Oftmals sind die Bauern keinesfalls unwissend, denn auch hochträchtige Kühe kommen zum Schlachthof.

Für hochträchtige Kühe (ab dem dritten Trimester) gilt eigentlich seit letztem Jahr ein Transportverbot. Es gibt leider Bauern, die es missachten (eine Kuh wird nach Gewicht bezahlt) und sobald das Tier auf dem Gelände des jeweiligen Schlachthofes ankommt, gilt das Seuchenschutzgesetz, d. h., das Tier kann nicht zurückgeschickt werden.
Die Schlachtung trächtiger Kühe ist eines der finstersten Kapitel der Milchindustrie.

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Selbst wenn ich noch alles Mögliche an menschlicher Interpretation oder Ausdrucksform in dieser Geschichte streichen würde – es bleibt die Realität: Ein Lebewesen in Todesangst um sein eigenes Leben und das seines Kleinen.

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„Ich bin Leben inmitten von Leben, das leben will.“ Dieser Satz von Albert Schweizer passt auch zu dieser Tragödie, die das Wesen Mensch dem Wesen Tier antut.


N.B. * „Er hält etwas in der Hand, das wie ein Stock aussieht.“ – Gemeint ist hier der sogenannte „Elektrotreiber“.

Zur Info:
www.welt.de/politik/deutschlan…
Bitte unterstützen Sie den Aufruf:
www.peta.de/schlachtung-schwan…

Bitte: Verzichten Sie auf den Konsum von Fleisch und Milchprodukten. Die Milchindustrie fördert die Fleischindustrie, da eine Kuh kalben muss, um Milch zu geben. Dadurch entsteht eine „Überproduktion“ an Kalbfleisch. Es ist Muttermilch – für das Kälbchen der Kuh bestimmt, welches sie in herkömmlichen Betrieben nicht einmal einen Tag lang behalten darf.

Stellen Sie sich vor, man würde einer menschlichen Mutter so etwas antun und ihre Milch einer anderen Art geben. Verrückt? Verrückt ist das, was der Mensch den Tieren antut.

Copyright (c) Daniela Böhm
www.danielaböhm.com
Copyright Bilder (c) Daniela Böhm

Die letzte Bitte

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Gruß Hubert

Montag, 25. April 2016

Das Tier im Menschen


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Mit Charles Darwin ist ein Weltbild zu Bruch gegangen. Es sah den Menschen gründlich geschieden von allem anderen Leben und alle Tierarten unverändert seit sie die Arche Noah verlassen hatten. Er hat lange gezögert, bis er seine Erkenntnisse veröffentlichte. “Ich komme mir vor als gestehe ich einen Mord … ” schrieb er kurz vor der Veröffentlichung seines bahnbrechenden Werkes vom “Ursprung der Arten …” Wollte er ursprünglich die animalische Identität des Menschen beweisen, kam er doch wissenschaftlich zu anderen Schlüssen: “In seiner Arroganz glaubt der Mensch, er sei ein großartiges Werk, das des Eingriffs einer Gottheit wert ist, bescheidener und, so glaube ich, richtig ist es, ihn aus den Tieren erschaffen zu betrachten.”

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Wieso bescheidener? Warum ist der Gedanke, dass der Mensch ein Tier sei so angstbesetzt und immer mit einer angeblichen Herabsetzung des Menschen verbunden? Warum weisen wir so vehement von uns, was wir sind: Wirbeltier, Primate, Hominide – die tief emotionalen Teile unseres Gehirns stammen sogar aus der Reptilienzeit. Wir tragen die Evolution in uns wie jedes andere Wesen. Ist es die Angst des Menschen, das Tier auch in sich zu fühlen? – das Unkontrollierbare und Animalische, das Bestialische, das angeblich immer wieder durchbricht und den Menschen “vertiert”. Die Angst vor dem Fremden und Wilden, Unzivilisierten und Ungezähmten, die Welt der Triebe und des Unbewussten, des Sexuellen, der Körper überhaupt, den der Geist nicht in den Griff bekommt …

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“Der Mensch ist nicht Herr im eigenen Hause”. Der Teufel hat Tiergestalt, ist Stier oder Bock, hat Pferdefuß oder Drachengestalt. Die Ketzer, mit dem Teufel im Bunde, verwandeln sich über Nacht in Wölfe und fressen Kinder. Triebhafte, verführerische Hexen mit Katzen und Eulen – die Vagina der Frau als Höllentor, der Teufel mit einem harten kalten Penis – wir betreten ein wahnhaftes religiöses Panoptikum. Tiere sind hier tief diskreditiert.

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Das Tier, das aus dem Abgrund kommt (Offb. 13) und vom Reiter auf dem weißen Pferd (K. 21) vernichtet wird – welches Seelenbild des Menschen, der sich selber bekämpft und wenn er eine Schlacht gegen das Tier in sich gewonnen hat, kommt es siebenfach zurück ins gereinigte Haus und Urgewalten brechen um so schlimmer aus dem einzig denkenden Wesen heraus.

Das Verdrängen unseres Tierseins haben wir mit dem Problem der Leibfeindlichkeit teuer bezahlt. Den Körper, die Biologie, das Tier in uns niederzuringen, welch aussichtsloses Unterfangen. Ubrigens symbolisiert das grausige Ritual des Stierkampfes, den mythischen Kampf des Niederringens der Natur in sich, eine Art Selbsttötung, ebenso wie St. Georg den Drachen zu töten sucht. Wie viel Selbsthass kommt hier zum Tragen. Dabei übertrifft die Gewaltbereitschaft des Menschen alles, was es im Tierreich gibt.

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“Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag – Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag. –
Ein wenig besser wür´d er leben, – Hätt’st du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein – Nur tierischer als jedes Tier zu sein. “ (Goethe – Faust)

Es ist die leidvolle Erfahrung mit uns selbst, dass die “Haut der Zivilisation” dünn ist. Faktisch aber lehrt uns die Evolutionsbiologie (des Körpers und des Bewusstseins, das bereits in der Tierwelt beginnt), den moralisch relevanten Fakt, dass uns mehr mit den anderen Tieren verbindet als uns von ihnen trennt. In der Physiologie ist das überdeutlich und die Verhaltens- und Instinktforschung (K. Lorenz, I. Eibl-Eibesfeld, M. Eigen) haben vorurteilsfrei und glänzend bestätigt, wie viel uns bis ins Seelische hinein mit der anderen Lebenswelt verbindet.

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Wir verfügen über angeborene Verhaltensmuster und Instinkte, ohne die wir keinen Tag überleben könnten. Sie sind biologisch eingeprägt und ererbt. Konrad Lorenz spricht von “moralanalogem Verhalten”, das sich in der Tierwelt findet:
selbstloser Einsatz für den Artgenossen, tiefe Bindungsfähigkeit bei sozialen Tieren, das Schonungsverhalten in Unterwerfungsgesten, die aufopfernde Mutter/Elternliebe in der Brutpflege usw. Jeder Tierhalter weiß um Gewissensreaktionen eines Hundes. Man kann im Tier, wenn man es kennt viel Eigenes entdecken:
Territorialverhalten (Platzhirsch), Herdentrieb oder Imponiergehabe vor dem anderen Geschlecht, Aggressionsverhalten (Lorenz: “Das sogenannte Böse”) die frühkindliche Prägungszeit.

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Wir erkennen unglaubliche Leistungen der Tierwelt in Sinnesfunktionen und Intelligenz und je weiter die Naturwissenschaft fortschreitet, ob in Molekularbiologie oder Genforschung, desto näher rückt uns unsere animalische Verwandtschaft. Sehen wir gar die Primatenfeldforschung, die mit Namen wie Jane Goodall oder Christophe Boesch (Leipzig) verbunden ist, erfahren wir so viel Menschliches in unseren nächsten Verwandten, das uns auch uns selbst tiefer verstehen lässt. (Bis hin zu gleichgeschlechtlicher Liebe, die sich auch im hochdifferenzierten Sexualverhalten unserer Verwandtschaft findet).

Leider hat die Wissenschaft kaum zu tieferer moralischer Wahrnehmung der Tiere geführt oder zur Aufgabe des Machtmonopols über sie. Wenn aber der biologische, mentale und psychologische Verwandtschaft zwischen Menschen und Tieren immer deutlicher wird, ist auch jede separate Ethik unzureichend, dann wird Ethik unteilbar.

Quelle nicht mehr bekannt.

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Gruß Hubert

Samstag, 27. Februar 2016

Schwimmen bis zur Verzweiflung

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Es ist völlig inakzeptabel was da in Deutschland mit Tieren gemacht wird, wenn man bedenkt, dass selbst die lockeren Bestimmungen der EU bei Tierversuchen noch überschritten werden.


Deutschland quält Tiere gegen EU-Willen


Ratten mit Elektroschocks traktiert, um Depression zu simulieren

 



Wie die bundesweiten Vereine Ärzte gegen Tierversuche, Bund gegen Missbrauch der Tiere und TASSO aktuell aufgedeckt haben, werden in Deutschland Tierversuche durchgeführt, die die EU den Mitgliedstaaten eigentlich verboten hat. Ratten und Mäuse müssen bis zur Erschöpfung schwimmen oder werden bis zur Hilflosigkeit mit Elektroschocks traktiert – unter dem Deckmantel der Depressionsforschung. Aus Sicht der Vereine ein Skandal und krasser Widerspruch zum Tierschutzrecht.

Am Institut für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn werden Mäuse wochenlang Stressversuchen ausgesetzt, die ein Verhalten ähnlich einer Depression hervorrufen sollen: sie werden unter anderem fixiert, Lichtblitzen sowie Nahrungs- und Wasserentzug ausgesetzt. 

Vor, während und nach der Stressperiode wird der „forcierte Schwimmtest“ oder „Verzweiflungstest“ durchgeführt, bei dem eine Maus in einen mit Wasser gefüllten Behälter gesetzt wird, aus dem es kein Entkommen gibt. Mäuse, die früh aufhören zu schwimmen, gelten als depressiv.


Ferner werden am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim Ratten in Experimenten Elektroschocks ausgesetzt, indem das Bodengitter, auf dem sie sitzen, unter Strom gesetzt wird. Wenn sie nicht mehr aufspringen, gelten sie als „erlernt hilflos“ und werden als „Modell“ für Depression eingesetzt.

Die EU definiert in der Tierversuchsrichtlinie derartige Versuche als für die Tiere mit schwerem Leid verbunden. Sie schreibt ein Verbot solcher Experimente fest, wenn das schwere Leid voraussichtlich lang anhaltend ist. Damit beabsichtigt sie, dass die Mitgliedstaaten eine Schmerz-Leidens-Obergrenze einführen, ab der ein Tierversuch unter keinen Umständen genehmigt werden darf.

Leider gibt es ein Schlupfloch, dieses gewollte Verbot zu umgehen, welches Deutschland nutzt und damit selbst grausamsten Tierversuchen die Tür öffnet. „Wir wollen jedoch nicht hinnehmen, dass die Bundesregierung einfach den im Grundgesetz verbrieften Tierschutz ignoriert und höchst leidvolle Tierversuche ohne Einschränkung zulässt. Ein absolutes Verbot solcher Versuche ist zwingend erforderlich, damit Deutschland nicht weiter eklatant gegen das Staatsziel Tierschutz und den erklärten EU-Willen verstößt“, so die Vereine. Sie haben zahlreiche Beispiele von Tierversuchen aus deutschen Laboren enthüllt und publik gemacht, die bei korrekter Umsetzung der EU-Richtlinie verboten sein müssten.

Seit Novellierung der Tierversuchsregelungen in der EU 2010 müssen beantragte Tierversuche in vier Schweregrade eingeteilt werden. Neben dem erzwungenen Schwimmen und Zufügen von Elektroschocks, denen das Tier nicht entgehen kann, sind weitere Beispiele des Schweregrads „schwer“: Tod durch Abstoßung von Organen nach Transplantationen, Versagen mehrerer Organe, Tod durch Vergiftung, metastasierende Tumore oder die Verwendung von Stoffwechselkäfigen mit schwerer Einschränkung der Bewegungsfreiheit über einen längeren Zeitraum.

Weitere Information:
www.schwimmen-bis-zur-verzweiflung.de

Quelle:

https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/neuigkeiten/2087-deutschland-quaelt-tiere-gegen-eu-willen


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Gruß Hubert

Montag, 19. Oktober 2015

Ein sehr tiefgründiger und lesenswerter Artikel von Daniela Böhm finde ich.


Es gibt keine Worte für die Endgültigkeit des Todes.
Und es gibt auch kaum Worte, das Warten auf diese Endgültigkeit zu beschreiben.
Und doch möchte ich versuchen, etwas in Worte zu fassen. Als verzweifelten Hilfeaufruf für all jene namenlosen Geschöpfe an all jene, deren Herzen gegenüber ihrem unfassbar großen Leid noch nicht offen sind.
Ohnmacht.
Immer wieder Ohnmacht. Sie ist es, die mich überfällt, wenn die Transporter mit den Schweinen tief in der Nacht in den Münchner Schlachthof einfahren. Manchmal ist es totenstill wenn die Wagen einfahren, kein Laut dringt hervor, nur der Gestank angsterfüllter Ausscheidungen bleibt zurück. Aber manchmal schreien sie. Ihre Schreie gellen durch die tiefschwarze Nacht und dann weiß man, warum die Schweine im Münchner Schlachthof tief in der Nacht getötet werden. Der Schlachthof liegt mitten in der Stadt.

Der Transporter ist schnell außer Sicht, er fährt ganz weit hinten nach rechts, aber ich weiß, was jetzt passieren wird. Sie werden entladen, kommen in einen „Ruheraum“, dann die elektrische Betäubung und schließlich der „Stich“. Von diesem „Stich“ erzählt mir ein Metzger am nächsten Tag bei der 5. Mahnwache am Münchner Schlachthof. Er will wissen, was wir hier tun und meint, dass das Problem nicht die getöteten Tiere seien, sondern schlecht gelernte Metzger, die diesen Stich nicht richtig ausführen. Er steht so dicht vor mir, dass ich dauernd einen Schritt zurückgehe. Aber jedes Mal, wenn ich das tue, macht er wieder einen Schritt nach vorn. Er legt mir die Hand auf den Arm und ich zucke zurück. Diese Hand bedeutet Tod. Tausend-, hunderttausendfachen Tod. Dreißig Jahre Schlachter. Jetzt wäre sein Rücken kaputt, erklärt er mir. Ob er kein Mitleid mit den Tieren habe, frage ich ihn. Nein, meint er – wegen dem richtig ausgeführten Stich, denn damit würde ein Schwein nicht unnötig leiden. Er geht und ich bin froh darüber.

Das Mitleid wird wegrationalisert. Nicht nur bei diesem Metzger, sondern bei all jenen Menschen, die wenig oder viel Fleisch essen. Alles wird ausgeblendet. All das, was vor diesem Stich geschieht und noch weit davor. Die Lebensfreude eines Wesens, als es in diese Welt kam und seiner Natur folgen wollte. Etwas, das durch Massentierhaltung unmöglich ist und nur ein langes, qualvolles, zusammengepferchtes Warten auf den Tod bedeutet. Und selbst wenn ein Schwein artgerecht auf einem Bio-Bauernhof leben konnte – wie grausam ist es, ihm dieses Leben und seine Freude daran gewaltsam zu entreißen. Die Biotierhaltung dient vor allem dem Menschen. Um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen oder wegen des Geschmacks oder des gesundheitlichen Aspekts. Keine Antibiotika, kein genmanipuliertes Soja. Es gibt aber kein gesundes Fleisch, nur totes. Tod kann nicht gesund sein, Gesundheit hat mit Lebendigkeit zu tun. Tod ist tot.
Es dämmert schon, als ein letzter kleiner Transporter mit jungen Schweinen einfährt. Keine Schreie sind zu hören und auch in mir ist Stummheit. Vor Schmerz.

Bildquellenangabe: Miguel Carulla / pixelio.de
Bildquellenangabe: Miguel Carulla / pixelio.de
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Gegen halb sieben fahren die ersten Transporter mit den Rindern ein. Jetzt sind die Abstände noch groß, aber gegen Mittag rollt einer nach dem anderen ein. Am Freitag werden mehr Rinder als sonst geschlachtet. Es ist heiß, um die vierunddreißig Grad.
Die Transporter fahren nach links um die Ecke, am Fischrestaurant Atlantik vorbei, das gleich in der Einfahrt des Münchner Schlachthofs liegt. Ein Stück weiter dahinter ist der Entladeplatz und die Schleusen, in die sie eingetrieben werden. Lange Gänge mit Metallabtrennungen, noch im Freien, in der die Tiere auf ihren Tod warten. Kein Zurück ist mehr möglich. Manchmal versuchen sie es, aber es geht ja nicht, hinter ihnen steht der nächste Leidensgefährte und hinter dem letzten wird die Untentrinnbarkeit des Todes durch eine dicke Metalltür besiegelt. Die hilflosen Blicke dieser sanften Wesen, wenn sie dort stehen und warten müssen, haben sich tief in meine Seele eingebrannt.
Ich wage mich um die Ecke, bleibe hinter dem Restaurant stehen und schaue auf die Transporter, die in der glühenden Mittagshitze stehen. Durch die offenen Klappen sehe ich die rosa Schnauzen der Rinder und ihre weit aufgerissenen Augen. Einige unter ihnen sind über und über mit Kot besudelt, auch am Kopf. Je nach Größe des Transporters stehen sie zu zweit oder zu dritt in Abtrennungen. Ich packe meinen Mut zusammen, hole zwei große Wasserflaschen und Schälchen und gehe mit einer Freundin zu einem der Transporter. „Das bringt nichts, die werden nichts trinken“, erklärt mir der Fahrer. Er hat recht, der Versuch ist zwecklos. Todesangst nimmt jeglichen Raum ein, jedes Bedürfnis, selbst das natürlichste, geht in ihr unter.
Verzweifelte Blicke, verzweifelte Hilferufe. Das Rufen der Rinder, das auch all jene Münchner hören, die an der Mauer des Entladeplatzes vorbeigehen oder in der Nähe wohnen, erschüttert durch und durch.
Es ist anders, wenn man dieses Warten auf den Tod miterlebt. Es zu beschreiben, fällt schwer. Es gibt nur Wortausdrücke dafür.
Ohnmacht.
Grauen.
Hilflosigkeit.
Trauer.
Entsetzen.
Schrecken.
Qual.
Verzweiflung.
Todesangst.
Es sind hilflose, menschgemachte Wörter.
Die Rinder drücken ihre Verzweiflung durch ihre verzweifelten Rufe aus.
Ich versuche, die meine in Worte zu fassen.
Ein kärglicher Versuch.
So wie jener Versuch, einem Mitarbeiter, mit dem ich bei der vorletzten Mahnwache gesprochen habe, zu sagen, warum ich mir die wartenden Transporter ansehe.
„Warum tun Sie sich das an?“, fragt er mich. „Sie tun mir so leid“, antworte ich. Für mehr fehlen mir die Worte. „Aber dann schlafen Sie schlecht, wegen der Bilder in Ihrem Kopf.“
Er sieht mich tatsächlich besorgt an.
Wie kann er schlafen?
Ich will nicht stumpf werden wie die abgewetzten Messer der Metzger. Lieber habe ich die Bilder in meinem Kopf und kann nicht einschlafen.
Ich gehe wieder hinaus zu den vielen Lichtern, die seit gestern Abend für die Tiere vor den Mauern des Schlachthofs brennen.

fellbeisser2
Foto: privat

Alle menschlichen Kümmernisse relativieren sich an diesem Ort. Alles was mich persönlich betrübt oder worüber ich mich ärgere, wird null und nichtig im Angesicht des Todes von Lebewesen, die nichts anderes tun wollten wie wir: Leben und sich am Leben freuen.
Wer stirbt schon gerne vor seiner Zeit? Kein Mensch und auch kein Tier. Jeder gewaltsame Tod durch Menschenhand ist zutiefstes Unrecht. Fleisch bedeutet keine Lebenskraft, sondern Tod. Fleisch bedeutet Leid. Unsagbares Leid und Verzweiflung.
Das ist es, was Menschen essen. Den zerstückelten Ausdruck von Qual, Angst und Tod. Fleisch ist kein „Stück Lebenskraft“ sondern ein Stück vom Tod. Jeder Bissen. Da gibt es nichts zu beschönigen oder wegzurationalisieren.
Dies ist eine verzweifelte Bitte an jeden einzelnen Menschen, der noch Fleisch isst. Für jene Wesen, die nur verzweifelt rufen können angesichts der Endgültigkeit ihres Todes. Bitte beendet dieses Leid, das tagtäglich, in jeder Sekunde auf diesem Planeten stattfindet. Es gibt so viele gute pflanzliche Alternativen und Möglichkeiten, sich zu ernähren. Der menschliche Körper braucht auch keine Milch. Die Milch ist für das Kalb gedacht. Immer wieder passiert es, dass trächtige Kühe geschlachtet werden. Was muss so eine Kuh empfinden, wenn sie in der Schleuse auf ihren Tod wartet? Was empfindet dieses kleine heranwachsende Wesen in ihrem Leib?
Es gibt ein Grauen, für das es keine Worte gibt.
Bitte – jeder Einzelne kann dieses unfassbare Leid beenden.
Es ist nur ein kleiner Schritt.
Er bedeutet Leben.



fellbeisser 3
Foto: privat

(c) Daniela Böhm

Von Leben und Tod

Gruß Hubert

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Von Leben und Tod

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Ein sehr tiefgründiger und lesenswerter Artikel von Daniela Böhm finde ich.

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Es gibt keine Worte für die Endgültigkeit des Todes.
Und es gibt auch kaum Worte, das Warten auf diese Endgültigkeit zu beschreiben.
Und doch möchte ich versuchen, etwas in Worte zu fassen. Als verzweifelten Hilfeaufruf für all jene namenlosen Geschöpfe an all jene, deren Herzen gegenüber ihrem unfassbar großen Leid noch nicht offen sind.

Ohnmacht.
Immer wieder Ohnmacht. Sie ist es, die mich überfällt, wenn die Transporter mit den Schweinen tief in der Nacht in den Münchner Schlachthof einfahren. Manchmal ist es totenstill wenn die Wagen einfahren, kein Laut dringt hervor, nur der Gestank angsterfüllter Ausscheidungen bleibt zurück. Aber manchmal schreien sie. Ihre Schreie gellen durch die tiefschwarze Nacht und dann weiß man, warum die Schweine im Münchner Schlachthof tief in der Nacht getötet werden. Der Schlachthof liegt mitten in der Stadt.

Der Transporter ist schnell außer Sicht, er fährt ganz weit hinten nach rechts, aber ich weiß, was jetzt passieren wird. Sie werden entladen, kommen in einen „Ruheraum“, dann die elektrische Betäubung und schließlich der „Stich“. Von diesem „Stich“ erzählt mir ein Metzger am nächsten Tag bei der 5. Mahnwache am Münchner Schlachthof. Er will wissen, was wir hier tun und meint, dass das Problem nicht die getöteten Tiere seien, sondern schlecht gelernte Metzger, die diesen Stich nicht richtig ausführen. Er steht so dicht vor mir, dass ich dauernd einen Schritt zurückgehe. Aber jedes Mal, wenn ich das tue, macht er wieder einen Schritt nach vorn. Er legt mir die Hand auf den Arm und ich zucke zurück. Diese Hand bedeutet Tod. Tausend-, hunderttausendfachen Tod. Dreißig Jahre Schlachter. Jetzt wäre sein Rücken kaputt, erklärt er mir. Ob er kein Mitleid mit den Tieren habe, frage ich ihn. Nein, meint er – wegen dem richtig ausgeführten Stich, denn damit würde ein Schwein nicht unnötig leiden. Er geht und ich bin froh darüber.

 

Das Mitleid wird wegrationalisert. Nicht nur bei diesem Metzger, sondern bei all jenen Menschen, die wenig oder viel Fleisch essen. Alles wird ausgeblendet. All das, was vor diesem Stich geschieht und noch weit davor. Die Lebensfreude eines Wesens, als es in diese Welt kam und seiner Natur folgen wollte. Etwas, das durch Massentierhaltung unmöglich ist und nur ein langes, qualvolles, zusammengepferchtes Warten auf den Tod bedeutet. Und selbst wenn ein Schwein artgerecht auf einem Bio-Bauernhof leben konnte – wie grausam ist es, ihm dieses Leben und seine Freude daran gewaltsam zu entreißen. Die Biotierhaltung dient vor allem dem Menschen. Um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen oder wegen des Geschmacks oder des gesundheitlichen Aspekts. Keine Antibiotika, kein genmanipuliertes Soja. Es gibt aber kein gesundes Fleisch, nur totes. Tod kann nicht gesund sein, Gesundheit hat mit Lebendigkeit zu tun. Tod ist tot.

Es dämmert schon, als ein letzter kleiner Transporter mit jungen Schweinen einfährt. Keine Schreie sind zu hören und auch in mir ist Stummheit. Vor Schmerz.

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Bildquellenangabe: Miguel Carulla / pixelio.de
Bildquellenangabe: Miguel Carulla / pixelio.de

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Gegen halb sieben fahren die ersten Transporter mit den Rindern ein. Jetzt sind die Abstände noch groß, aber gegen Mittag rollt einer nach dem anderen ein. Am Freitag werden mehr Rinder als sonst geschlachtet. Es ist heiß, um die vierunddreißig Grad.
Die Transporter fahren nach links um die Ecke, am Fischrestaurant Atlantik vorbei, das gleich in der Einfahrt des Münchner Schlachthofs liegt. Ein Stück weiter dahinter ist der Entladeplatz und die Schleusen, in die sie eingetrieben werden. Lange Gänge mit Metallabtrennungen, noch im Freien, in der die Tiere auf ihren Tod warten. Kein Zurück ist mehr möglich. Manchmal versuchen sie es, aber es geht ja nicht, hinter ihnen steht der nächste Leidensgefährte und hinter dem letzten wird die Untentrinnbarkeit des Todes durch eine dicke Metalltür besiegelt. Die hilflosen Blicke dieser sanften Wesen, wenn sie dort stehen und warten müssen, haben sich tief in meine Seele eingebrannt.

 

Ich wage mich um die Ecke, bleibe hinter dem Restaurant stehen und schaue auf die Transporter, die in der glühenden Mittagshitze stehen. Durch die offenen Klappen sehe ich die rosa Schnauzen der Rinder und ihre weit aufgerissenen Augen. Einige unter ihnen sind über und über mit Kot besudelt, auch am Kopf. Je nach Größe des Transporters stehen sie zu zweit oder zu dritt in Abtrennungen. Ich packe meinen Mut zusammen, hole zwei große Wasserflaschen und Schälchen und gehe mit einer Freundin zu einem der Transporter. „Das bringt nichts, die werden nichts trinken“, erklärt mir der Fahrer. Er hat recht, der Versuch ist zwecklos. Todesangst nimmt jeglichen Raum ein, jedes Bedürfnis, selbst das natürlichste, geht in ihr unter.
Verzweifelte Blicke, verzweifelte Hilferufe. Das Rufen der Rinder, das auch all jene Münchner hören, die an der Mauer des Entladeplatzes vorbeigehen oder in der Nähe wohnen, erschüttert durch und durch.
Es ist anders, wenn man dieses Warten auf den Tod miterlebt. Es zu beschreiben, fällt schwer. Es gibt nur Wortausdrücke dafür.

Ohnmacht.
Grauen.
Hilflosigkeit.
Trauer.
Entsetzen.
Schrecken.
Qual.
Verzweiflung.
Todesangst.

 

Es sind hilflose, menschgemachte Wörter.
Die Rinder drücken ihre Verzweiflung durch ihre verzweifelten Rufe aus.
Ich versuche, die meine in Worte zu fassen.
Ein kärglicher Versuch.
So wie jener Versuch, einem Mitarbeiter, mit dem ich bei der vorletzten Mahnwache gesprochen habe, zu sagen, warum ich mir die wartenden Transporter ansehe.
„Warum tun Sie sich das an?“, fragt er mich. „Sie tun mir so leid“, antworte ich. Für mehr fehlen mir die Worte. „Aber dann schlafen Sie schlecht, wegen der Bilder in Ihrem Kopf.“
Er sieht mich tatsächlich besorgt an.
Wie kann er schlafen?
Ich will nicht stumpf werden wie die abgewetzten Messer der Metzger. Lieber habe ich die Bilder in meinem Kopf und kann nicht einschlafen.
Ich gehe wieder hinaus zu den vielen Lichtern, die seit gestern Abend für die Tiere vor den Mauern des Schlachthofs brennen.

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fellbeisser2
Foto: privat
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Alle menschlichen Kümmernisse relativieren sich an diesem Ort. Alles was mich persönlich betrübt oder worüber ich mich ärgere, wird null und nichtig im Angesicht des Todes von Lebewesen, die nichts anderes tun wollten wie wir: Leben und sich am Leben freuen.

Wer stirbt schon gerne vor seiner Zeit? Kein Mensch und auch kein Tier. Jeder gewaltsame Tod durch Menschenhand ist zutiefstes Unrecht. Fleisch bedeutet keine Lebenskraft, sondern Tod. Fleisch bedeutet Leid. Unsagbares Leid und Verzweiflung.
Das ist es, was Menschen essen. Den zerstückelten Ausdruck von Qual, Angst und Tod. Fleisch ist kein „Stück Lebenskraft“ sondern ein Stück vom Tod. Jeder Bissen. Da gibt es nichts zu beschönigen oder wegzurationalisieren.

Dies ist eine verzweifelte Bitte an jeden einzelnen Menschen, der noch Fleisch isst. Für jene Wesen, die nur verzweifelt rufen können angesichts der Endgültigkeit ihres Todes. Bitte beendet dieses Leid, das tagtäglich, in jeder Sekunde auf diesem Planeten stattfindet. Es gibt so viele gute pflanzliche Alternativen und Möglichkeiten, sich zu ernähren. Der menschliche Körper braucht auch keine Milch. Die Milch ist für das Kalb gedacht. Immer wieder passiert es, dass trächtige Kühe geschlachtet werden. Was muss so eine Kuh empfinden, wenn sie in der Schleuse auf ihren Tod wartet? Was empfindet dieses kleine heranwachsende Wesen in ihrem Leib?
Es gibt ein Grauen, für das es keine Worte gibt.
Bitte – jeder Einzelne kann dieses unfassbare Leid beenden.
Es ist nur ein kleiner Schritt.
Er bedeutet Leben.

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Foto: privat

(c) Daniela Böhm
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Von Leben und Tod

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Gruß Hubert

Montag, 3. August 2015

Zahnarzt aus Minnesota – USA, erschießt den berühmten Löwen Cecil mit Armbrust

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Ich habe keine Worte für solche Individuen, die Tausende Euro dafür ausgeben, damit sie Großwild schießen dürfen. Ein Zahnarzt aus Minnesota – USA, schoß mit einer Armbrust auf den berühmtesten Löwen in Afrika – auf den 13-jährigen Löwen Cecil. Ich rechne solche Leute nicht zu den Menschen. Das sind für mich Monster, Ungeheuer, Psychopathen. Wie kann man denn auf so ein majestätisches Tier schießen? Es wurde auch noch illegal aus dem Nationalpark gelockt.
Jagd-Touristen reisen nach Afrika oder in die Arktis, zahlen oft Tausende Euro für diesen einen Schuss. Im Visier: ein wildes Tier, das einen Menschen in einem fairen Kampf einfach in Stücke reißen würde.

Mit großkalibrigen Waffen, aber auch mit Pfeil und Bogen, gehen reiche Hobby-Jäger auf Großwildjagd! Elefanten, Löwen, Eisbären – alles, was eine schöne Trophäe hergibt, wird geschossen. Cecil wurde mit einem Köder aus dem Nationalpark heraus gelockt.
Buchen kann man die Killer-Safaris über das Internet, geschossen wird in staatlichen Jagdgebieten oder auf privatem Grund.

Löwen-Killer Dr. Palmer erlegte schon 43 Wildtiere

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Er schießt, was ihm vor die Augen läuft: Schwarzbär, Eisbär, Puma, Elch, Büffel – und jetzt einen Löwen. Zahnarzt Walter Palmer (55) soll Cecil, einen der berühmtesten Löwen Afrikas, mit Pfeil und Bogen angeschossen, dann 40 Stunden lang durch die Steppe gehetzt und schließlich mit einem Gewehrschuss getötet haben.

Dann trennte er den Löwenkopf ab, häutete das Tier. Kopf und Fell nahm er offenbar als Trophäe mit.

Doch wer ist der Wildtier-Killer? Er kommt laut US-Medienberichten aus Eden Prairie im US-Bundesstaat Minnesota, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

Palmer soll mit dem Berufsjäger Theo Bronkhorst unterwegs gewesen sein und ihm umgerechnet 45 000 Euro für die gemeinsame Jagd gezahlt haben. Privat organisierte Safaris sind nicht verboten, das Wildern in Nationalparks hingegen schon – da Cecil in dem geschützten Gebiet lebte, hätte auch er nicht gejagt werden dürfen.

Die Wildhüter gehen davon aus, dass der 13 Jahre alte Löwe Anfang Juli von den Jägern mit Futter aus dem geschützten Gebiet gelockt wurde. Palmer habe möglicherweise ein totes Tier an ein Auto gebunden, um Cecil aus dem geschützten Gebiet zu locken. Das teilte der Vorsitzende der Umweltorganisation Zimbabwe Conservation Task Force (ZCTF), Johnny Rodrigues, mit.

 
     Killer-Zahnarzt Walter Palmer zeigt sich in Simbabwe mit einem erlegten Leoparden
     Foto: www.brentsinclair.blogspot.de/

  

Palmer ist nicht das erste Mal auffällig geworden. Der Zahnarzt (Abschluss an der Uni von Minnesota, Praxis "River Bluff Dental" in Bloomington) hatte schon mehrmals Ärger mit dem Gesetz, u. a. wegen Wilderei und Wildfischens!

 

► 2008 wurde er sogar verurteilt. Er hatte illegal einen Schwarzbären in Wisconsin geschossen, das tote Tier dann mit seinen Komplizen rund 65 Kilometer weit zu einer legalen Jagdzone gebracht. Strafe: Knapp 3000 Dollar (2700 Euro) und ein Jahr Haft auf Bewährung.

► Schon 2003 war er in der Region Otter Tail (Minnesota) beim Fischen ohne Genehmigung erwischt worden. Geldstrafe!

► 2009 erlegte er mit Pfeil und Bogen in Nordkalifornien einen besonders großen Elch, landete damit sogar in der "New York Times". Die Jagdgenehmigung dafür hatte er während einer Auktion für mehr als 40 000 Euro erstanden.

► Auf seiner offiziellen Abschussliste des Internationalen Safari-Klubs stehen 43 Tiere. Darunter auch Eisbär, Büffel, Puma …


Zahnarzt aus Minnesota – USA, erschießt den berühmten Löwen Cecil

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Gruß Hubert

Mittwoch, 29. April 2015

Wissen Sie, was hinter den hohen Mauern der Tierversuchslabore geschieht?

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In der Woche um den 24. April wurde weltweit auf das Leid der Tiere in den Labors aufmerksam gemacht. Der Gedenk- und Aktionstag wurde erstmals 1979 in Großbritannien begangen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im Britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.
Der ursprünglich im deutschsprachigen Raum verwendete Bezeichnung "Tag des Versuchstiers" suggeriert, Tierversuche gehörten wie selbstverständlich zum Leben dazu und Versuchstieren könne man lediglich mitleidsvoll gedenken. Darüber hinaus kam es in der Vergangenheit immer wieder vor, dass sich Experimentatoren den "Tag des Versuchstiers" zunutze machten, um die angebliche Notwendigkeit der Versuche "zum Wohle des Menschen" zu propagieren.

Im Jahr 2007 wurde von einer Reihe von Tierrechts- und Tierversuchsgegnervereinen eine Umbenennung beschlossen. "Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche" drückt unmissverständlich aus, worum es geht: Tierversuche sind weder ethisch noch wissenschaftlich zu rechtfertigen und müssen abgeschafft werden!

http://www.tag-zur-abschaffung-der-tierversuche.de/






Während einer Undercover-Recherche ist es Animal Equality Ermittlern gelungen, die Experimente mit Mäusen an der Medizinischen Fakultät der Universität Complutense Madrid, sowie die Praktiken in der Forschungsstätte des Gregorio Marañón Krankenhauses in Madrid zu dokumentieren. Mit der Veröffentlichung der grausamen Praktiken möchte Animal Equality zu einer Debatte um Moralität und Effizienz von Tierversuchen aufrufen.

Mäuse sind die am häufigsten verwendeten Tiere in Tierversuchen. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2013 rund 2,2 Millionen Mäuse im Namen der Wissenschaft gequält und getötet.


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In dem Video ist zu sehen, wie Forscher und Forscherinnen der Universität Complutense Madrid Experimente an den kleinen Nagetieren durchführen. Dabei werden ihnen Kanülen in den Hals geschoben und Organe entnommen. Wenn sie nicht gerade in einem Versuch sind, fristen die Tiere ein trostloses Dasein in winzigen, sterilen Käfigen. "Überschüssige" Mäuse werden einfach entsorgt – wobei eine der gängigsten Methoden darin besteht, ihnen das Genick zu brechen.

In der Forschungsstätte des Gregorio Marañón Krankenhauses in Madrid können Medizinstudenten an einer Art Einführungskurs teilnehmen, nach dessen erfolgreichen Abschluss sie eine Lizenz erhalten, die sie dazu befugt, Tierversuche für ihre Forschung durchzuführen. Einem unserer Ermittler ist es gelungen, verdeckt in einem solchen Kurs zu recherchieren. Eine der Übungen bestand darin, ein lebendiges Schwein entlang des Brustkorbes aufzuschneiden, verschiedene Organe zu untersuchen und das Tier daraufhin wieder zuzunähen. Anschließend wurde das Schwein getötet.
Im Video sind außerdem schockierende Aufnahmen einer spanischen Sammelstelle für Versuchsaffen zu sehen, in der Animal Equality Ermittler im Februar 2013 recherchierten. Die spanische Tageszeitung El Mundo betitelte den Betrieb als "Guantanamo für Affen". In Barcelona, wo Beagle für Tierversuche gezüchtet werden, gelang es Unterstützern von Animal Equality 36 Hunde zu retten und so davor zu bewahren, dass ihnen im Namen der Forschung die Hinterbeine abgesägt werden, um das Knochenwachstum zu beobachten. Ausschnitte dieser Rettungsaktion sind ebenfalls in dem Video zu sehen.

Warnung: Das Video enthält Szenen extremer Gewalt an Tieren.
Geheime Aufnahmen aus Tierversuchslaboren - Animal Equality Recherche  



International anerkannte Universitäten wie Harvard, Yale oder Stanford haben Tierversuche bereits durch effektivere, moderne Verfahren ersetzt. Durch In-vitro-Verfahren im Reagenzglas, komplexe Computermodelle, menschliche Zell- und Gewebekulturen, sowie künstliche Haut sind Versuche an Tieren für die Grundlagenforschung, Genforschung oder Toxizitätstests heute völlig überflüssig.
Der Großteil der Tierversuche kann schon heute durch modernere, tierleidfreie Alternativen ersetzt werden. Für Ria Rehberg, Koordinatorin von Animal Equality in Deutschland, steht fest: "Es ist außerdem absolut notwendig, in tierversuchsfreie Forschung zu investieren. Es regen sich immer mehr Stimmen, auch in den Reihen der Wissenschaftler, die alternative Methoden zu Tierversuchen fordern.”

Jährlich leiden in der EU zwölf Millionen Tiere für Experimente. Neben Frankreich und Großbritannien ist Deutschland mit fast drei Millionen Versuchstieren unter den traurigen Spitzenreitern. Dabei liegt die Dunkelziffer noch um einiges höher, da viele Tiere bereits sterben, bevor sie für die Forschung genutzt werden. Laut Aussage des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft starben im Jahr 2013 über 2.199.671 Mäuse, 375.656 Ratten, über 202.685 Fische, 95.653 Kaninchen, 42.779 Vögel, 2.165 Affen, 793 Katzen, 2.542 Hunde und Tiere vieler weiterer Tierarten in Versuchen.

Die Mehrheit der Bevölkerung will nicht, dass Tiere in unsinnigen Experimenten leiden. Im Mai diesen Jahres findet vor der Europäischen Kommission eine öffentliche Anhörung der europäischen Bürgerinitative "Stop Vivisection" statt, an der sich auch Animal Equality beteiligt. Diese Anhörung könnte das Ende der Tierversuche in Europa einleiten. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, was hinter verschlossenen Labortüren wirklich geschieht, damit sie sich dagegen zur Wehr setzen kann.

Wissen Sie, was hinter den hohen Mauern der Tierversuchslabore geschieht?

Gruß Hubert