Samstag, 14. März 2009

Tierfeindschaft und Christen

Das Verhältnis der Christen den Tieren gegenüber kann man überhaupt nicht liebevoll nennen. Eher klingt da schon latent Gehässiges und Abwertendes mit. Da retten Sie auch nicht ein paar Käfer und Spinnen nicht mehr, die sie nicht zertreten und ins Freie entlassen (auch etwas, wofür man eigentlich keine Worte verlieren dürfte). Da klingt der Vorbehalt der Christen gegen alles "Animalische", gegen das "Fleischliche", gegen alles Materielle durch (das sie ja an anderer Stelle wieder so liebend gerne haben - Kapital und Reichtum). Daher haben für mich Tierfreundschaft, Tierliebe, Tierschutz und Tierrechte unweigerlich mit Religionskritik zu tun. Den Tieren fehlt das von Christen so unheimlich überschätzte Geistige, das sie über alles erhebt.

Vor allem wird behauptet, nur der Mensch habe eine Seele (wehe dem, der keine Seele hat!). Da wird der edle Mensch als Beherrscher dieser "unteren", als notwendiges Übel (nur für die Fortpflanzung vorgesehen), betrachteten "sexuellen Triebe" dargestellt, der sich dadurch selbst erhöht. Es wird überhaupt nicht beachtet, wie eingeschränkt der menschliche Wille ist (nur zum Beispiel der Einfluss und die Macht der Hormone über den Menschen - möchte sagen: der Mensch denkt - Hormon lenkt). Da bleibt nicht viel übrig vom so arroganten und anmaßenden "freien Willen" der Christen, den sie vorgeben zu haben.Wenn man sich so die Denkweisen von Christen und auch der offiziellen Lehre anschaut, könnte man meinen die Tiere sind vom Teufel erschaffen. Es gibt ja auch Stellen in der Bibel wo diese abwertende Haltung den Tieren gegenüber zum Vorschein kommt. Es ist für mich nur eine logische Folge, dass Christen keine Tierfreunde sind, diese Haltung ist sozusagen systemimmanent.

Gnade Gott den Tieren, wenn nur christliche Gesetze für die Tiere gelten würden.Es ist an sich schon traurig, dass es so etwas wie Tierschutz geben muss. Für humane Menschen ist das eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
Und wo ist der Mensch gelandet? Man sehe sich nur die Kriege, die Umweltzerstörungen, der Umgang der Menschen im täglichen untereinander, den nicht erklärten Krieg in der Wirtschaft an. Nein, als Krone der Schöpfung erweist sich der Mensch wirklich nicht. Auch friedlich ist diese Spezies nicht. Pazifistisch ist auch die katholische Kirche nicht, auch wenn sie zu Weihnachten durch den Papst ihre scheinheilige Friedensbotschaft um den Erdkreis schickt (welcher Imperialismus eigentlich - urbi et orbi?). Dazu hat sie im Laufe der Geschichte wohl zu viele Waffen gesegnet und von gerechten Kriegen gesprochen. Wie viele Millionen Menschen verloren ihr Leben allein durch die christliche Religion? Eigens kreierte Verfolgungen ("heilige Inquisition") wurden ins Leben gerufen, um sich von unliebsamen Menschen zu befreien, wie Hexen, Ketzern usw... Es gab Eroberungen in fernen Kontinenten (v.a. Südamerika, bis zum Genozid), Kriege gegen andere Religionen (Protestanten, Sarazenen - Kreuzzüge). Für mich ist diese Lehre eine "Lehre des Unheils", sie hat im Gesamtbild nur Negatives für Menschen gebracht. Sie greift sogar noch in das Privateste (erhobener moralischer Zeigefinger und Schlüssellochmoral) und Intimste ein (katholische Morallehre) und hat vor allem in früheren Jahrhunderten Millionen von Unglücklichen, Gehemmten "produziert". In der Psychologie kennt man den Begriff der "ekklesiogenen Neurose". Tausende von Psychiatern haben mit den Folgen, dieser durch die unheilvolle christliche und noch mehr katholische Lehre erzeugten psychischen Krankheit zu tun.

Heute hören auch viele Christen vor allem auf diesem Gebiet der offiziellen Lehre nicht mehr genau zu bzw. die allermeisten kennen sie nicht einmal. Ohne Verwendung zum Beispiel der offiziell von der Kirche verbotenen Verhütungsmittel auch der Katholiken wäre die Geburtenrate nicht so niedrig, gerade oft in katholischen Ländern, wie zum Beispiel Italien. Entscheidend ist für mich aber eben die offizielle Lehre. Und nicht zu vergessen: es gibt heute mehr "Taufscheinchristen" als die katholische Kirche glaube möchte (oder sie tut so als ob sie es nicht wüsste - Hauptsache viele Mitglieder, deshalb auch gegen die Verhütung). Bei der Verhütung fällt mir auch ein Begriff aus einem Buch ein (Tödliche Lehre), nämlich "die demografische Aggression". Es geht den allermeisten Religionen eben darum möglichst viele Mitglieder nach außen vorweisen zu können, um damit Macht und Einfluß zu erhalten und möglichst auszubauen.
Wo bleibt aber die Vernunft des Menschen, der sich an die Spitze alles Lebenden setzt, wenn man die eigenen Lebensbedingungen zerstört? Für mich ist das ein unglücklicher und missratener Schritt in der Evolution, den die Natur auch wieder eines Tages korrigieren wird, bzw. der Mensch selbst durch Selbstzerstörung.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Der Preis wird gezahlt werden müssen




Gestern sah ich als ich heim kam eine tote Amsel am Straßenrand tot
liegen. Ich hob sie auf und begrub sie in meinem Garten. Mindestens ein
Tier, das danach nicht unwürdig platt gefahren wird wie hunderte
andere.

Aber wen interessiert schon ein toter Vogel?
Es ist ja schon traurig genug, dass man auf den Straßen Dutzende und
hunderte von Tieren liegen sieht, wo man nur mehr das platt gedrückte
Fell, Federn oder was auch immer sieht (Igel, Katzen, Frösche, Nagetiere,
Vögel usw.).






Dies ist für mich symbolisch für die heutige Zeit, dass alles überfahren wird, was sich dieser angeblichen "Zivilisation" in die Quere stellt
und was nicht diesem fast ausschließlichem Wirtschaftsdenken anpasst.


Der Ökonomie wird ja auch noch das Menschsein untergeordnet.
Humane und soziale Anliegen und Bedürfnisse sind bei diesem
brutalen turbokapitalistischen Neoliberalismus nur Luxus, über die
man lächelnd hinweg sieht.

Dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft
interessiert die Konzerne und Wirtschaftskapitäne nicht, Hauptsache ihre
Ausbeute stimmt. Glauben diese Herren, dass dieses
menschenverachtende System sich immer so weiter drehen kann?

Ich glaube es wird irgendwann an einem Endpunkt angelangt sein, wo
auch die große Masse den Konsens verweigern wird und gegen diese ist
ein System nicht aufrecht zu erhalten.

Aber zurück zum Los der Tiere unter der Herrschaft der Menschen, die
von manchen (und genauer von einer bekannten Institution) sogar
anmaßend als Krone der Schöpfung bezeichnet wird.

Erst kürzlich meldete ein österreichischer TV-Sender, dass in Österreich
(in diesem kleinen Land!) jährlich ca. 100.000 Wildtiere auf Straßen
überfahren werden. Die zynische Ansage eines Grünrocks: das passiert
deshalb, weil es so viel Wildtiere gibt.

Für die ist es natürlich nur wichtig, dass es noch genug gibt, dass sie
Wild zu ihrem Vergnügen (welche Perversität…) killen können. Auch der
unersättliche Fleischhunger vieler Menschen bedeutet ja für viele Tiere
den reinsten Horror (Massentierhaltung mit enorm verkürztem Leben,
Tiertransporte bis zur Schlachtung…).


Gar nicht zu reden von den grausamen Tierversuchen, wo in der
ganzen Welt (oft dieselben Versuche!) gequält, gefoltert und zum
Schluss immer getötet werden. Diese dienen nur der Profitgier und der
rechtlichen Absicherung, vor allem der Pharmakonzerne.



Sie dienen sicher nicht dazu, um menschliche Krankheiten bekämpfen zu
können. Oder haben die millionenfachen Versuche an Mäusen und
Ratten etwas gebracht? Wie sollten sie auch!

Es ist einfach schlechte Wissenschaft, die nur aus oben genannten
Gründen gemacht wird. Es verdienen ja ganze Wirtschaftszweige an
diesem perversen und inhumanen Tun.

Die allermeisten Menschen berührt das in ihrer Gier, ihrem Egoismus
und oft in ihrer Dummheit (oft nicht mangelnde Intelligenz, sondern
Faulheit und Oberflächlichkeit im Denken) nicht. Die sind zufrieden, wenn
ihre elementarsten Bedürfnisse gestillt werden
(die ich hier nicht
aufzuzählen brauche).

Für all dies wird eines Tages der Preis zu zahlen sein. Die Natur vergisst
nichts! Die ersten Anzeichen sieht man ja schon am Klimawandel. Es ist
kaum anzunehmen, dass die Menschheit noch Vernunft annehmen wird,
denn sie tut ja jetzt schon fast gar nichts dagegen.

Profitgier und Macht ist ihr wichtiger. Sie überlegen sich nicht in ihrem
kurzfristigen Denken, dass es eines Tages ihre Kindeskinder treffen wird,
die keine Bedingungen für ein Leben mehr finden werden.

Die Menschheit verdient dann aber dann nicht die geringste Spur von
Mitleid.
Es braucht kein göttliches Wesen, das die Apokalypse
herbeiführt. Dazu ist der Mensch alleine im Stande.

Die Natur und mit ihnen die Tier- und Pflanzenwelt wird sich ohne
Menschen wieder erholen. Und es ist zu hoffen, dass sich danach nicht
wieder so ein missratenes Wesen wie der Mensch entwickelt.

Es ist eine ungeheuerliche Anmaßung, diesen Menschen, wie es
verschiedene Religionen und Sekten tun, als „Krone der Schöpfung“
zu bezeichnen. Denn es gibt nur eine gierige Bestie: nämlich der Mensch.

Kein Tier würde es schaffen die Lebensbedingungen zu zerstören.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendein Gott
(was immer man sich darunter vorstellen mag) den Menschen so
erschaffen hätte. Da ist einfach in der Evolution irgendetwas schief
gelaufen.

Gruß Hubert

Sonntag, 29. Juni 2008

Spanische Parlamentarier wollen den Menschenaffen bestimmte Grundrechte gewähren

"Grundrecht auf Leben für die Affen?" titelt suggestiv das Tagblatt der Südtiroler, die konservativ, katholische "Dolomiten".

Aufgrund ihrer Verwandtschaft mit dem Menschen sollen Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Zwergschimpansen unter einem besondern Schutz gestellt werden. Die Abgeordneten des spanischen Umweltausschusses verabschiedeten eine Entschließung, in dem das internationale "Projekt Menschenaffen" (Great Ape Project) durch die Regierung unterstützt werden soll. Unter anderem soll den Menschenaffen ein Recht auf Leben gewährt werden.

Die regierenden Sozialisten unterstützen das Vorhaben. Bereits vor zwei Jahren hatte das Vorhaben in Spanien eine heftige Debatte ausgelöst. "Zu viel Fortschrittlichkeit führt zu Lächerlichkeit", hieß es damals schon. Was ein besserer Schutz der Menschenaffen mit zu viel "Fortschrittlichkeit" zu tun hat, frage ich mich. Lächerlich würde ich schon eher empfinden, was manche Leute so alles glauben (an Wunder und an was weiß ich noch alles, man bedenke nur den ganzen Wallfahrtstourismus und den damit zusammen-hängenden Kommerz - hl. Maria auf Bonbons usw. usf.)

Aus welcher Ecke am meisten Kritik kommt ist für mich überhaupt keine Überraschung, weil die katholische Kirch schon sei jeher kein tierfreundliche Haltung einnahm (ein Papst um die 20-er Jahre des vergangen Jahrhunderte wetterte gegen die entstehenden Tierschutzvereine und war strikt dagegen).

Der Erzbischof von Pamplona, Fernando Sebastiàn sagte: "Die Regierung will den Affen Rechte einräumen, die sie ungeborenen Kindern versagt", mit Blick auf die Abtreibung. Wie er den Gedankensprung vom besseren Schutz der Menschenaffen zur Abtreibung vollzieht, weiß wohl nur er. Bei jeder passenden und öfter noch unpassenden Gelegenheit wird aber solche Gedankensprünge von höchsten Vertretern der katholischen Kirche gemacht. Da ist jedes Mittel recht.

Warum wurden aber dann in den letzten beiden Weltkriegen in katholischen Ländern Waffen gesegnet (paaradoxer Weise in Ländern die katholisch waren und gegeneinander kämpften, wie zum Beispiel Frankreich und Deuschland), wenn diesen Hütern der Moral das Leben so heilig ist?? Auch zur Todesstrafe nahm die katholische Kirche lange keine eindeutige Haltung ein (bin mir nicht sicher ob sie aktuell eindeutig ist).Was will man aber von einer Institution in der Katechismus aus den 90-er Jahren (!!) Tierversuche als sittlich zulässig deklariert werden?

Freitag, 25. April 2008

Sunny, andere Katzen und ich.

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Mittwoch, 9. Januar 2008

Für einen Bissen Fleisch (Autor: K.H. Deschner)

Karlheinz Deschner
Buch: "Für einen Bissen Fleisch"

Das schwärzeste aller Verbrechen

Mit einem Nachwort von Nelly Moia

---»Da die Krone der Schöpfung der Mensch, die Krone des Menschen der Pfaffe ist, läßt sich von ihm für das Tier am wenigsten erhoffen. Auch befiehlt, auf der ersten Bibelseite, Gott selber seinen Ebenbildern, zu »herrschen über die Fische im Meer und die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und alle Tiere des Felds«. Um gleich abermals zu heischen: »... und machet sie euch untertan und herrschet ...« Und dann noch einmal: »Furcht und Schrecken vor euch über alle Tiere ... in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, sei eure Speise« – zwar ein »Kulturbefehl« angeblich, »ein Imperativ der Freude und Fröhlichkeit«, tatsächlich das umfassendste Unterjochungs- und Todesverdikt der Geschichte, infernalischer Auftakt der Deformierung eines Sterns zum Schlachthaus.«

---2. Auflage • 88 Seiten • Pappband EUR 18,00 [D] SFR 32,40 (unverbindliche Preisempfehlung) Alle Preise inkl. MwSt.ISBN 978-3-930994-10-6
Karlheinz Deschner im Internet: www.deschner.info

dumpr.net

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Sonntag, 9. Dezember 2007

Mäuse - Versuchstiere in der "Jackson Laboratory"

Artikel von: http://www.zeit.de/archiv/2002/30/200230_m-maeusefarm.xml?page=all

Zeitschrift "Die Zeit" 2006 (Ausschnitt)

Mäuse - Versuchstiere in "Jackson Laboratory"

"Die spastische "Punkrocker"-Maus Paigen spricht mit der Unerschütterlichkeit eines Überzeugten, dem es egal ist, ob seine Worte verstören - zumal er die Gunst der Geschichte gerade auf seiner Seite weiß. Die moderne Biomedizin umwirbt die Menschheit mit der Vision, die größten Gesundheitsgeißeln besiegen zu können, und sie stützt diesen Anspruch vor allem auf die Forschung mit der Maus. Dass im Mai 2002 das Genom des unscheinbaren Nagers veröffentlicht wurde, heizt den Boom noch weiter an; nun können die Forscher noch gezielter Gene ansteuern. "Wir haben für jedes menschliche Gen sein Pendant in der Maus gefunden", jubelte schon vor zwei Jahren Genomforscher Craig Venter, Exchef von Celera. Das bedeutet, dass die Forscher an Mäusen all jene Versuche machen und Therapien testen können, die sie an Menschen nie wagen würden. "Das menschliche Genom ist eigentlich nur aus psychologischen Gründen interessant", sagte Venter.
Doch je mehr an Mäusen geforscht wird, desto unersetzlicher werden "Mutantenfarmen" wie das Jackson Lab (JAX). Eine simple Rechnung: Die Maus besitzt schätzungsweise etwa 30 000 Gene mit je rund fünf möglichen Mutationen. Wollte man auch nur diese 150 000 Genotypen studieren (ohne die unermessliche Zahl ihrer Kombinationen zu berücksichtigen), müsste man mindestens 60 Millionen Mäuse züchten, sagen Experten, denn jede Kolonie benötigt ein paar hundert Tiere. Schon jetzt aber kommen die Forscher kaum noch mit dem Ställebauen nach. Sie überschwemmen Jackson mit Bitten, ihre abgehalfterten Mutanten zu adoptieren, doch das gemeinnützige Institut kann jährlich nur rund 100 neue Arten aufnehmen. "Es ist so, als wolle man sein Kind in einer exklusiven Privatschule unterbringen", witzelte einst ein Mitglied jenes Komitees, das über die Aufnahme der Mausbewerber entscheidet. Es geht um ein Bleiberecht auf Ewigkeit. "Wir werfen nie etwas weg", sagt Paigen. Erst kürzlich taute eine Forscherin eine in den fünfziger Jahren entdeckte Mutation auf und fand einen Gendefekt, der helfen könnte zu erklären, warum das Gehirn bei Leiden wie Alzheimer bis zu einem frühen Tod degeneriert.
Die Krämerseele seiner Betreiber verschafft dem Jackson Lab eine einmalige Spitzenposition. Zwar ist das 1929 gegründete Institut nicht der größte Mauszüchter - diese Ehre gebührt den Charles River Laboratories, die allein im Jahr 2000 für 190 Millionen Dollar Versuchstiere verkauften - doch niemand auf der Welt hat mehr Mutanten als JAX, 2700 "Modelle" insgesamt. Sie leben in endlosen Reihen schuhschachtelartiger Plastikcontainer in 20 klimakontrollierten mouse rooms, in die kein Journalist hineindarf. Das liegt an einem Reporter der New York Times, einerseits. Er kam vor zwei Jahren, plauderte mit den Forschern, guckte in die Käfige und schrieb einen Artikel, gespickt mit beklemmenden Details: Wie die spastische Maus, von den Forschern Punkrocker genannt, ihren Kopf rhythmisch gegen die Käfigwand schlug; wie die Fettmaus deprimiert in der Ecke hockte, weil sie so grotesk dick ist, dass sie kaum eine Pfote vor die andere setzen kann. Auch die Anspielung auf "Mauschwitz" kam im Jackson Lab nicht gut an. " Dabei war er so ein intelligenter Kerl, hat gleich kapiert, wie wichtig die Mausforschung ist", sagt Paigen, und seine Stimme hat wieder diesen flachen Ton. "Seitdem jedenfalls", trällert Joyce Peterson, "lassen wir keine Reporter mehr in die mouse rooms."
Andererseits besteht das Zutrittsverbot wegen der drakonischen Hygieneregeln. Viele von Jacksons Mäusen können auf über 20 Generationen Inzest zurückblicken. Das sorgt für reproduzierbare Forschung - und für empfindliche Sensibelchen. Manche Käfige haben ihre eigene Luftversorgung. Andere dürfen nur mit Vorsicht angefasst werden, weil jeder Rums ihre überzüchteten Insassen hysterisch erbeben lässt. Weniger als 20 Grad, und die Mäuse schütteln sich vor Kälte. Mehr als 23, und sie sterben an Überhitzung. Sie sterben überhaupt oft, bevorzugt an Dingen, die sich im normalen Leben nie vermeiden lassen: Bakterien und fremden Keimen etwa. "Deshalb wird alles im Leben unserer Mäuse sterilisiert", sagt Joyce Peterson, die bleistiftdünne Medienbeauftragte.
750 000 Mäuse, mehr als Frankfurt Einwohner hat, quieken, fressen, trinken und defäkieren jeden Tag im JAX. Von den 1205 Angestellen des ge-meinnützigen Instituts sind fast tausend ausschließlich damit beschäftigt, die Nager zu verwalten und zu pflegen. In keimfreien Overalls reinigen sie Käfige, füllen Wasserflaschen, verteilen Futterpellets. Manche tun nichts anderes, als die Plastikheime der Mäuse und die Sägespäne, auf denen sie sitzen, durch hocherhitzende Autoklaven zu jagen.
Mutanten von anderen Instituten werden über einen Plastikschlauch in eine gesonderte Quarantänestation geschleust, die nur über zwei Wege mit dem Rest des Labors verbunden ist: über eine jodgefüllte Durchreiche und einen Miniaturaufzug, genannt mousevator. Die Neuankömmlinge landen unter einem sterilen Plastikzelt. Falls die Weibchen nicht schon trächtig sind, werden sie dort befruchtet und verlassen ihr Quarantänezelt erst am Tag der Geburt. Ein Laborant trägt sie zum Operationssaal und entfernt die Gebärmutter samt Babys. Der Nachwuchs gleitet in einen Plastikbecher, wird auf die Stahltrage des mousevator gesetzt und ruckelt eine Etage höher in die sterile Aufzuchtstation. Dort nimmt ein anderer Laborant den Plastikbecher, belebt die Babys mit einem Q-Tip und schiebt sie einer garantiert keimfreien Adoptivmutter unter. Persönliche Kontakte zwischen den Pflegern der Aufzuchtstation und jenen der Quarantäne sind tabu. Letztere gelten als "schmutzig", dürfen das Labor nur durch ihren eigenen Eingang betreten, müssen Lunch in einem gesonderten Pausenraum essen. "Sie sind die Unberührbaren", sagt Peterson und kreuzt ihre Finger in einer vade retro-Geste. Für Außenstehende muss das wie ein seltsamer Kult wirken.
Das Museum entarteten Lebens
Doch selbst Jackson kann nicht alle seiner Modelle "gebrauchsfertig" im Regal halten. Rund die Hälfte des Inventars lagert kostenschonend auf Eis in der Abteilung Cryopreservation. Dort führt Carlisle Landel - ein kerniger Typ mit Bluejeans, Pferdeschwanz und winnetoubraunem Gesicht - in einen Saal, in dem sieben brusthohe Stahlcontainer schimmern wie Attrappen eines Science-Fiction-Films. "Unsere Tank-Farm", sagt Carlisle, streift sich einen klobigen Handschuh über und klappt einen der Deckel hoch. Minus 190 Grad kalter Nebel, flüssiger Stickstoff, wirbelt empor. Mit einer überdimensionierten Pinzette zieht Carlisle eines der säuberlich eingeschichteten Metalletuis heraus. Es ist proppenvoll mit Mäuseembryonen, jedes nicht größer als ein Staubkorn...."